Pressemitteilung mit Tabellen siehe http://www.saarland.de/7292_215782.htm

Die dynamische Entwicklung der saarländischen Wirtschaft hat in diesem Jahr an Schwung verloren. Wie das Statistische Amt des Saarlandes mitteilt, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Maßstab der gesamtwirtschaftlichen Leistung im ersten Halbjahr 2016 nominal um 2,8 Prozent an. Preisbereinigt bedeutet das ein reales Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.

Damit verlief die Konjunktur im Saarland sowohl nominal als auch real ungünstiger als im übrigen Bundesgebiet. Für Deutschland insgesamt wurde die Wirtschaftsentwicklung des ersten Halbjahres nominal auf plus 3,9 Prozent beziffert, real auf 2,3 Prozent.

Dies sind erste vorläufige Ergebnisse nach Auswertung der aktuellen Wirtschaftsstatistiken durch den Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“, dem alle Statistischen Landesämter angehören. Für solche kurzfristigen Berechnungen ist die Datenbasis jedoch sehr begrenzt, weshalb die Aussagekraft der Zahlen noch stark eingeschränkt ist.

Der wirtschaftliche Aufschwung im Saarland hat im ersten Halbjahr 2016 spürbar nachgelassen. Heftige Rückschläge verzeichnet gegenwärtig vor allem der Maschinenbau, der in den Vorjahren kräftig gewachsen ist. In dieser Schlüsselbranche der Saarindustrie sind die Umsätze in den ersten sechs Monaten bereits um 5,7 Prozent geschrumpft, wobei die Auslandsnachfrage noch deutlicher zurückging als der inländische Absatz. Parallel dazu sind die Auftragseingänge um 16,8 Prozent stark eingebrochen, und auch die Produktion war um 6,3 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Ebenfalls sinkende Auftragseingänge werden aus den beiden anderen großen Industriezweigen gemeldet: In der Automobilproduktion („Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen“) führte eine schwache Inlandsnachfrage (- 7,8 %) zu einer Auftragseinbuße von 4,5 Prozent, während die Stahlindustrie („Metallerzeugung und -bearbeitung“) auf den Auslandsmärkten noch stärker unter Druck geriet (- 17,8 %) und insgesamt einen Auftragsverlust von 8,2 Prozent erlitt. Dass das Halbjahresergebnis der Saarindustrie dennoch insgesamt positiv ausfällt und weiter verbessert wurde, ist der Robustheit der gegenwärtigen Wachstumsphase zu verdanken, denn beide Industriezweige konnten bei den anderen Indikatoren noch zulegen: Die Kfz-Hersteller steigerten ihre Produktion um 4,8 Prozent und ihre Umsätze um 5,4 Prozent, die Stahlindustrie meldete ein Plus von 1,7 Prozent bei der Produktion und von 1,4 Prozent beim Umsatz.

Diese drei großen Sektoren erbringen im Saarland fast drei Viertel des Gesamtumsatzes im Verarbeitenden Gewerbe, der sich im ersten Halbjahr 2016 auf über 13,9 Mrd. Euro belief. Das waren 0,5 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr, wobei die Exporte mit plus 1,8 Prozent besser liefen als das Inlandsgeschäft (+ 0,2 %). Das Verarbeitende Gewerbe seinerseits hat im Saarland, gemessen an der Bruttowertschöpfung, wegen seiner traditionell hohen Industriedichte einen größeren Anteil an der Gesamtwirtschaft, als dies in den meisten anderen Bundesländern der Fall ist. Gepaart mit der hohen Exportabhängigkeit des Saarlandes fielen die Rückschläge hierzulande demnach deutlich stärker aus als im Bundesdurchschnitt.

Die saarländische Bauwirtschaft konnte mit dem ersten Halbjahr 2016 durchaus zufrieden sein. Trotz schwacher Auftragslage im Bauhauptgewerbe zogen die Umsätze sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau wieder kräftig an (+ 13,8 %). Im Ausbaugewerbe gingen die Erlöse weiter leicht zurück (- 1,8 %). Aber auch hier blickt man wieder hoffnungsvoll in die Zukunft, denn eine enorme Zunahme der Baugenehmigungen im Wohnungsbau um 42,3 Prozent verspricht schon bald bessere Konjunkturaussichten.

Die privaten Haushalte zeigten sich in einer anhaltend konsumfreundlichen Stimmung. Beim Einzelhandel (ohne Kfz) sorgten sie im ersten Halbjahr für eine stabile Umsatzentwicklung, und der Handel mit Kraftfahrzeugen legte kräftig um 11,5 Prozent zu, wenn auch immer noch auf niedrigem Niveau.

Der Außenhandel der Saarwirtschaft verzeichnete 2015 sein bisheriges Rekordjahr, sowohl bei der Einfuhr als auch bei der Ausfuhr. Während die Exporte sich in der ersten Jahreshälfte 2016 um weitere 5,4 Prozent auf über 8,2 Mrd. Euro erhöhten, gingen die Importe deutlich um 11,5 Prozent auf knapp 6,7 Mrd. Euro zurück. Wichtigster Importpartner für das Saarland ist nach wie vor das Nachbarland Frankreich, und auf der Exportseite hat inzwischen Großbritannien die führende Rolle inne.

Weitere Daten zur konjunkturellen Entwicklung im Saarland finden sich im Internetangebot des Statistischen Amtes unter www.statistik.saarland.de.

Darüber hinaus stehen die aktuellen Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung in den Bundesländern im Internetangebot des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ unter www.vgrdl.de zur Verfügung.